Liebe Piraten,

muss es eigentlich immer das große Ganze, das Perfekte sein? Muss immer alles passen und was nicht passt in vorgestellte Standardformen gepresst werden?

Ich bin nach Mauritius geflogen, weil ich wollte. Nicht, um einen spektakulären Geburtstag zu feiern. Letztes Jahr um diese Zeit war ich in New York, und selbst das war gar nicht mal besonders glamourös, nachdem ich nachts wegen akuter Übelkeit kein Auge zugemacht hatte.

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Und nun sitze ich hier auf der Terrasse meines Apartments. Neben mir ein mauritianisches Bier, das richtig lecker ist (aber auf meinen Geschmack ist kein Verlass, denn gerade in tropischen Ländern liebe ich jedes kühle Bier), esse Wasabi-Erdnüsse, höre das Zirpen von Grillen, das Rascheln von Palmen und schreibe. Das war’s. Mein 28. Geburtstag südlich vom Äquator. In einem Paradies. Und er könnte nicht unspektakulärer sein.

Ich mag das. Zurück zum einfachen Leben, Freunde, wo Barfußlaufen salonfähig ist und Salz auf der Haut weiße Krusten hinterlässt, wo das Haar nach ebendiesem riecht und die Haut einen schimmernden Ton bekommt.

Diese ersten Tage auf Mauritius waren sehr schön. Der Strand sieht aus, als wäre er gerade frisch geschlüpft und beim Fotos knipsen entstehen genau diese Bilder, von denen man denken könnte, sämtliche Farbfilter seien darüber gelegt. Nein, es sieht genauso aus, wirklich. Vor allem nach dem Regen, wenn sich mystische Stille über das offene Meer legt und verschiedene Blautöne verschwimmen, während die Sonne durch die Palmenblätter glitzert und Regentropfen von ebendiesen abperlern. #achdumeinegüte

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Auch das mag ich. Wenn abends der Sonnenuntergang den ganzen Himmel einfärbt und die Fischer mit ihren Angelrouten ins Wasser laufen, dort stehen, sich unterhalten. Warum veranstalten wir auf dem Weg zur Glückseligkeit nur so ein kompliziertes Theater? Kein Wunder, dass wir das Gefühl haben, nicht anzukommen. Kein Wunder, dass wir immer das Gefühl haben, Menschen mit weniger Eigentum hätten genau deswegen mehr, vor allem die Freude.

Um die Geschichte von Mauritius scharen sich viele Piratensagen, harr, harr, kommen wir zu den spannenden Dingen! Der berühmteste Pirat unter den Schrecken des indischen Ozeans, La Buse (der tatsächlich eine Augenklappe trug, nachdem er im Kampf ein Auge verloren hatte) wurde in La Réunion, der Nachbarinsel, zum Tode verurteilt.
Doch bevor er am Galgen hing, soll er ein beschriebenes Dokument in die Menge geworfen haben, mit den Worten, dass derjenige, der das Rätsel um das Versteck seines Schatzes lösen könne, der rechtmäßige Besitzer dessen sei.
Heute befindet sich das Dokument auf den Seychellen, wo der Historiker John Cruise-Wilkins (wie auch sein Vater) es bis jetzt nicht geschafft hat, den Inhalt zu deuten. Angeblich soll sich der Schatz an der Ostküste von Mauritius oder auf einer kleinen Insel in der Lagune von Rodrigues liegen. Bis heute blieb er unentdeckt, obwohl alles genauestens abgesucht wurde.

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Was für eine Geschichte. Und was für eine Insel. Erst die Holländer, dann die Franzosen, danach die Engländer. Sie alle kamen, beuteten aus, brachten das Zuckerrohr und die Skalverei.
Heute ist hier eine bunte Mischung aus kreolisch, französisch und englisch sprechenden Einwohnern zu finden, die höflich, offenherzig aber auch gleichzeitig distanziert mit den Touristen umgehen.
Ein Fleckchen im Nirgendwo, das mich reizt, interessiert und beeindruckt.

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Ahoi, liebe Crew! Habt es wohl,

Ani

 

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