Ich stehe im Stau, mitten in den Serpentinen auf der Strecke zwischen der Hauptstadt Iraklio und dem drittgrößten Ballungsraum Rethymno. Ach ja, im Regen. Und gestern bin ich eine nasse Treppe hinuntergefallen, es soll ziemlich fies ausgesehen haben. So einige griechische Götter meinen es wohl gerade nicht gut mit uns, anscheinend gibt es Pleiten, Pech und Pannen auch in kleinen Paradiesen.

Trotzdem lassen wir uns heute, am vorletzten Urlaubstag, nicht die Laune verderben. Ich kann noch tippen, auch wenn mein linker Zeigefinger geprellt ist und ich gestern Abend durch mein schmerzendes Steißbein wie eine alte Oma ins Restaurant wankte. Leicht gebückt. Wein für alle, am meisten für mich! Jeden Abend zwei Gläser Weißwein, ab und an ein Raki (so gar nicht mein Fall, aber das wusste ich schon vorher) und Tonnen Weinblätter gefüllt mir Reis, das ist eines von vielen Glücksrezepten.

Elounda
Elounda

Vor zwei Tagen sind wir am Palmenstrand von Vai angekommen, den ich ganz bezaubernd finde. Ich mag es, wenn man am Ende vom Ende angekommen ist. Keine Landzunge liegt mehr vor einem und man weiß, dass man so weit schauen kann, wie man möchte – am Horizont gibt es nichts zu sehen, außer dem verschwommenen Glitzer aus himmel- und königsblau. Da die Bucht sehr klein ist, ist sie leider sogar in der jetzigen Off-Season mit Touristen überschwemmt und man sollte sich darauf vorbereiten, dass die Strandliegenvermieter besser russisch als englisch können und man eventuell mit russischer Trancemusik diverser Badegäste beschallt wird. Solche, die man sich nicht mal in dunklen Kellern trauen sollte zu hören. Man munkelt, sie hätten sich auf dem Weg nach Mallorca verirrt, man weiß es aber nicht.

Vai
Bucht neben Vai
Bucht neben Vai

Rethymno ist eine süße Kleinstadt mit sich ineinander verirrenden Gässchen voller kleiner Balkone, die unter der Last ihrer Blumenpracht einzustürzen drohen. Wer noch nicht in Griechenland war, aber den südländischen Charme aus Italien oder Spanien kennt, wird sich hier gleich wohlfühlen.

In diesem Hafenstädtchen finden wir uns in der Pension Olga wieder, dort strahlt uns ein freundliches, mit Altersflecken auf den Wangenknochen betupftes Gesicht eines älteren Herrn an – ein typischer Grieche. Laut, freundlich, viel Körperkontakt, dicker Bauch und Baseballkappe auf dem Kopf. Seine kleine Pension, deren Dachterrasse von Pfanzen und Blumen aller Art überschäumt, macht die Unterkunft noch herzlicher.

Rethymno
Die Dachterrasse der Pension Olga

In Chania, der Stadt, von der aus wir wieder zurückfliegen und daher noch kurz zu Mittag essen, erliegt man einem ähnlichen Charme. Immer wieder fühle ich mich von der Gelassenheit südländischer Kulturen in den Bann gezogen. Romantik pur und das ohne einen Hauch Kitsch. Die nächsten Inseln warten schon!

Anika in Chania

Im ALANA

Vai

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