Medellín und Escobars Haus: Ein Streifzug

Der Pool, direkt dahinter ging die Autobombe hoch.

Ich habe mittlerweile schon einiges über Kolumbien und Medellín im Speziellen geschrieben. Von einem Post über die nächtlichen Geräusche bis hin zum Liebesbrief.

Aber hier und heute geht es in Schwarz-Weiß-Aufnahmen durch die Stadt. Ein Spaziergang über den Markt Minorista, vorbei an der angeblich so gefährlichen Straße, die links und rechts von Handwerken aller Art gesäumt ist, bis hin zum Edifico Monaco, dem Gebäude, in dessen Penthouse Escobar samt Familie wohnte, welches durch eine deponierte Autobombe des Drogenkartells von Cali teilweise zerstört wurde. Mittlerweile, nach Escobars Tod, weiß man wenig damit anzufangen und so steht es leer, ein wahres Geisterhaus mitten in der Stadt. Man kommt nicht mal mehr mit einem Stadtführer hinein, leider, daher blieb es auch mir verschlossen und nur Deniz konnte sich mittels einer Bescheinigung der Universität dort umschauen.

Eine schwarz-weiße Sicht der Dinge ist längst passé. Oder sollte sie zumindest sein. Die ganze Welt verschmilzt, irgendwo und irgendwie sind wir alle eins, auch wenn das die meisten nicht begreifen wollen. Gerade in Kolumbien trifft eine große Vielfalt auf verschiedene Einflüsse, die Grautöne sind nicht wegzudenken, die Farben sowieso.

In der Fotografie ist und bleibt diese Methode der Anschauung ein Klassiker. Und, wahrscheinlich nur hier, ermöglicht sie einen Blick für das Wesentliche, zeigt das Rohe, das, was ohne Schnörkel übrig bleibt, wenn man hinschaut und sehen möchte, wie es wirklich ist.
Für mich, und deswegen dieser Bilderpost, steht vor allem Medellín für eine rauhe Schönheit, eine hässliche Perle, ein Schatz in der Ferne.

Aufgenommen in der Nähe des Plaza Majors.

 

 

Erinnert mich an ein typisches Diner in den USA.
Erinnert mich an ein typisches Diner in den USA.

 

Handwerker. Für mich ist auf dem Bild die Zeit stehen geblieben.
Handwerker. Für mich ist auf dem Bild die Zeit stehen geblieben.

 

Früchte en masse auf dem Markt.

 

 

Und von innen, ein Geisterhaus.
Und von innen, ein Geisterhaus.

 

Blick vom Innenhof.

 

Der Pool, direkt dahinter ging die Autobombe hoch.
Der Pool, direkt dahinter ging die Autobombe hoch.

 

Die markanten Steinfiguren an der Außenfassade.

 

 

Alle Fotos von Deniz. Mehr von ihm gibt es hier.

 

 

12 comments

  • Die „Rohe Schönheit“ hört sich ganz wunderbar an und sieht faszinierend aus.

  • Jetzt hast du mich doch ein wenig gefesselt, mir meine Vergangenheit vor die „Nase“ gehalten – meinen künstlichen Drang und die Gier nach Kokain, welches keines war. Gerade mal Anfang 20 war ich, als ich es das erste Mal probierte – angetrieben durch schimmernde Persönlichkeiten im Job, die davon erzählten, dass es dein Ego in die richtige Richtung „pusht“.

    Wie sehr ich doch daraus lernte und auch eingesehen hatte, dass ich schwach und mental instabil war, es brauchte um mir einen Traum zu erschaffen, während ich den Untergang meiner sensiblen Beschaffenheit im Spiegel ertragen wollte. Wollte, denn ich hätte ja die Nase putzen, mich von den falschen Freunden und dem Umfeld distanzieren können.

    Doch wie auch das Kartell von Pablo wuchs, so auch die Idee in mir, dass Kokain ein Teil meines Lebens sein muss – sonst würde ich ja aufwachen müssen. Aus einem Traum den ich lebte, weil ich an ihn glaubte. Und wenn du glaubst, erst Recht an das „Falsche“ – dann bist du schon verloren.

    Rückblickend verging zu viel Zeit, bis ich aufwachte. Mit Schmerzen die noch Jahre anhielten, weil es auf dem Weltmarkt gar kein reines Koks für die „normale Konsumentenschicht“ gibt, sondern nur für eine Elite in der ich einmal mitziehen durfte und merkte, dass Koks nicht Koks ist.

    Aber ich merkte auch, dass ich gar nicht so werden möchte und nahm die Gelegenheit wahr, ergriff sie auch als neuen Wandel meiner Sinne und blicke heute auf deine Bilder und gebe dir die Schuld, dass ich all das gedanklich nochmals durchlebe, während ich draußen die Sonne auf meiner Haut fühle. Vom Wetter her alles andere als Bogota, gerade. Denn hier, gerade, umringen mich Hitze und Schweiß, nicht trübe Wolken und 12 Grad.

    Google sagt mir, dass das Wetter in Kolumbien so ist. Und google hat mir auch irgendwie diesen Weg zu dir gezeigt, als ich davor den Weg zu den Reisedepeschen fand.

    So fügt sich alles, wie es auch damals sein hätte müssen, sonst wäre ich heute nicht frei von der Gier nach dem, was Pablo und sein tun so bekannt machten.

    Er verbleibt mir also heute, als der, der mit cocaína zu tun hatte und ich ergänze ihn gedanlich mit anidenkt, schwarz/weiß und einem Alexandros der sich jetzt mal anschaut, was „Deniz“ noch so fotografiert.

    Vermutlich schwebe ich dann in neuen Erfahrungen… und so bleiben wir uns alle ein gemeinsamer Antrieb, um dem Leben die Gedanken zu schenken, daraus neue Wege zu finden um unser Ego zu befriedigen, unsere Sinne zu stimulieren und das große Herz zu bändigen.

    Und heute, all das – ohne Koks.

    Dankend für Eure Zeit und Danke für diesen Raum hier, auf dem sich eine Frau so zeigt wie sie ist und wir so sein dürfen wie wir sind.

    Alexandros Tsachouridis

    • Hey,

      danke dir für den langen Kommentar und den Einblick.

      Tja, da hat Pablo wohl bei so einigen seine (weißen) Spuren hinterlassen. Schön, dass es der Vergangenheit angehört.

      Grüße nach Rhodos!

  • Hey zurück, liebe Anika.

    Ganz nebenbei möchte ich doch erwähnen, dass sich jede Sekunde Zeit auf der Fan-Page von Deniz Ispaylar einen zum Nachdenken und Schmunzeln bringen kann.

    Wenn ich das Foto sehe, beginne ich wieder zu träumen…

    https://www.facebook.com/DenizIspaylarPhotography/photos/a.323501707813369.1073741828.323098534520353/324385564391650/?type=1&theater

    Sonnige Grüße am frühen Morgen.
    Alexandros

  • […] Dank an Deniz für einen Großteil der Bilder.) Route: Medellin, Flug nach Bahia Solano. Unterkunft: Posado del Mar. Ausflüge im Umland und zum Nationalpark Utria […]

  • Hey Alexandros,

    das freut mich sehr zu lesen. Das Fahrradfoto liebe ich auch sehr. War die pure Freiheit das Fahrrad durch die Stadt zu fahren. Berg auf, Berg ab, auf der Schnellstraße, in der Fußgängerzone. War mein ständiger Wegbegleiter.
    Habe mich gerade an Momente erinnert, als ich mit dem Fahrrad im Verkehr unterwegs war und nicht mehr aufhören konnte zu jubeln, weil in dem Moment alles gut war.

    Danke Dir
    Auf bald

    Deniz

  • Ich mag das „Geisterhaus“-Bild sehr.

  • Very nice !! Erinnert mich sehr an einige meiner bilder…ich mag die morbide poesie in den poolbildern…

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